Alle: Vergütung der Videosprechstunde

Schneller als erwartet haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband auf eine Vergütung für die Videosprechstunde geeinigt. Die technischen Anforderungen wurden ja bereits im November veröffentlicht und sind im Bundesmantelvertrag für Ärzte (BMV-Ä) Anlage 31b nachzulesen.

Voraussetzungen
Dass die technischen Voraussetzungen aus Anlage 31b BMV-Ä erfüllt sind, muss durch eine Erklärung des Videodienstanbieters für die Arztpraxis gegenüber der KV nachgewiesen werden.

Um die neuen Ziffern erst einmal nur bei nachfolgend genannten Anlässen berechnungsfähig:
  • Visuelle postoperative Verlaufskontrolle einer Operationswunde
  • Visuelle Verlaufskontrolle einer/von akuten, chronischen und/oder offenen Wunden
  • Visuelle Verlaufskontrolle einer/von Dermatose(n), auch nach strahlentherapeutischer Behandlung
  • Visuelle Beurteilung von Bewegungseinschränkungen/-störungen des Stütz- und Bewegungsapparates, auch nervaler Genese, als Verlaufskontrolle
  • Beurteilung der Stimme und/oder des Sprechens und/oder der Sprache als Verlaufskontrolle
  • Anästhesiologische, postoperative Verlaufskontrolle

Vor diesem Hintergrund wird bereits deutlich, welche Arztgruppen die neuen Ziffern berechnen können. Unter anderem sind dies:
  • Haus- und Kinderärzte
  • Anästhesisten
  • Chirurgen
  • Orthopäden
  • Dermatologen
  • Urologen
  • Internisten
HNO und Fachärzte für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen
Die neuen Ziffern werden in der jeweiligen Präambel des Facharztkapitels im EBM aufgenommen, so dass hier nachlesbar ist, welche Fachgruppen die neuen Ziffern abrechnen dürfen.

Ziffern
Es wurden zwei neue Gebührennummern (GNR) geschaffen. Eine ist ein Technik- und Förderzuschlag und die andere eine Konsultationsziffer. Beide finden sich im Kapitel 1.4 EBM

GNR 01439 – Betreuung eines Patienten im Rahmen einer Videosprechstunde
- Obligater Leistungsbestandteil:
  • Arzt-Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde
  • Überprüfung des Vorliegens einer schriftlichen Einwilligung des Patienten in die Datenerhebung, -verarbeitung und -nutzung
- einmal im Behandlungsfall
- Bewertung: 88 Punkte = 9,27 EUR

GNR 01450 – Zuschlag im Zusammenhang mit den Versichertenpauschalen nach den GNR 03000 und 04000, zu den Grundpauschalen der Kapitel 5, 6, 7, 8, 9, 10,13,15, 16, 18, 20, 21, 26 und 27, zu den Konsiliarpauschalen des Kapitels 25 und zu den GNR 01439 und 30700
- Obligater Leistungsbestandteil:
  • Arzt-Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde
  • Überprüfung des Vorliegens einer schriftlichen Einwilligung des Patienten in die Datenerhebung, -verarbeitung und -nutzung
- je Arzt-Patienten-Kontakt im Rahmen einer Videosprechstunde
- Bewertung: 40 Punkte = 4,21 EUR

Zu beachten ist, dass der Technik- und Förderzuschlag nach GNR 01450 in sich budgetiert ist. Es wird also für die 01450 ein Punktzahlvolumen je Arzt gebildet, aus dem alle erbrachten Leistungen im Quartal gemäß der 01450 vergütet werden. Dieses Punktzahlvolumen beträgt 1.899 Punkte je abrechnendem Vertragsarzt. Dies bedeutet das etwa 47 Mal die GNR 01450 je Quartal abrechnungsfähig ist.

Vergütung
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) geht davon aus, dass die GNR 01439 zu Einsparungen an anderer Stelle führt. Von daher wird diese Ziffer innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) honoriert. Sie wird damit voraussichtlich in allen KV-Bezirken in die Budgets fallen.
Der Technikzuschlag nach GNR 01450 führt nicht zu einer Substitution an andere Stelle. Von daher ist die Empfehlung des G-BA hierzu erst einmal eine Vergütung außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (Budgets) zu schaffen. Eine spätere Überführung in die MGV ist jedoch möglich.


Über die AAC (Arzt-Abrechnungs-Controlling) AG

Die AAC Praxisberatung AG ist eine Unternehmensberatung für niedergelassene Ärzte. Unsere Schwerpunkte sind Analysen und Beratung zur KV-Abrechnung/Quartalsabrechnung sowie zum Verordnungs-Management an. Bei der KV-Abrechnungsberatung werden die einzelnen EBM-Ziffern der Quartalsabrechnung detailliert vs. Fachgruppendurchschnitt geprüft. Potentiale der nicht oder nur unterdurchschnittlich abgerechneter EBM-Leistungen bzw. EBM-Ziffern werden aufgezeigt. Auch strukturelle Defizite der KV-Abrechnung werden überprüft, so dass Wirtschaftlichkeitsprüfungen einzelner EBM-Leistungen vermieden werden können. Einen wichtigen Teil der Analyse der EBM-Ziffern nimmt die Überprüfung der Plausibilität der KV-Abrechnung in der Beratung zu Ihrer Quartalsabrechnung ein. Eine mangelhafte Steuerung besonders zeitintensiver EBM-Ziffern kann eine Plausibilitätsprüfung nach sich ziehen. Bei Zeitüberschreitungen wird zusammen mit dem Arzt überprüft, ob sich die Überschreitung anhand der vorhandenen Dokumentation in der Akte plausibel und nachvollziehbar erklären lässt.

Insgesamt wird die Qualität Ihrer KV-Abrechnung somit gesichert – und Sie sparen viel Zeit.

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