Alle Ärzte: Vereinbarung eines bundeseinheitlichen Medikationsplans (BMP)

Ab 01. Oktober 2016 haben Patienten, die mindestens drei verordnete Medikamente gleichzeitig anwenden, einen Anspruch auf die Erstellung eines Medikationsplans. Nun haben die Vertragspartner auf Bundesebene (KBV, BÄK und DAV) die notwendige Vereinbarung über Inhalt, Struktur und Vorgaben zur Erstellung und Aktualisierung eines Medikationsplans fertig gestellt, die zum 01. Mai 2016 in Kraft getreten ist.

Anspruchsberechtigung
Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei zu Lasten der GKV verordnete Arzneimittel anwenden, haben Anspruch auf Erstellung und Aushändigung eines Medikationsplans durch einen an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Arzt. Sie sollen den Anspruch nur gegenüber einem Arzt geltend machen und alle weiteren an der Behandlung beteiligten Ärzte darüber informieren.

Näheres zum Anspruch regelt der Bundesmantelvertrag Ärzte, der bis 30.06.2016 von KBV und GKV-Spitzenverband diesbezüglich überarbeitet werden muss.

Inhalt und Struktur des BMP
Der Medikationsplan enthält verschreibungspflichtige Medikamente, die dem Patienten im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung verschrieben wurden. Nicht verschreibungs-, aber apothekenpflichtige Medikamente, die dem Arzt bekannt sind und deren Dokumentation im Medikationsplan medizinisch sinnvoll und notwendig sind sowie Hinweise zu Medizinprodukten, die für die Arzneimitteltherapie relevant sind, sollten ebenso erfasst werden. Auf Wunsch des Patienten kann der Arzt davon absehen, Arzneimittel auf den Medikationsplan zu übernehmen.

Auf dem Medikationsplan müssen Angaben zur Identifikation des Versicherten, Angaben zum Arzt, zur Apotheke oder zu einer Einrichtung der Krankenversorgung sein, der/die den Medikationsplan zuletzt ausgedruckt hat, deren Kontaktdaten sowie das Datum des Ausdrucks.

Diese vorgenannten Angaben sind als administrativer Block auf jeder Seite des Plans voranzustellen. Danach folgt die Auflistung der Arzneimittel und Medizinprodukte in tabellarischer Form wie folgt: Wirkstoff, Handelsname, Stärke, Darreichungsform, Hinweise zu Dosierung und sonstige Hinweise zur Anwendung sowie Anwendungsgrund.

Erstellung und Aktualisierung des BMP
Die erstmalige Erstellung eines Medikationsplans wird in der Regel durch den Hausarzt erfolgen. Wenn der Versicherte keinen Hausarzt in Anspruch nimmt, dann durch den behandelnden Facharzt, der die überwiegende Koordination der Arzneimitteltherapie verantwortet.

Der Arzt, der den Medikationsplan erstellt, aktualisiert ihn auch, sobald die Medikation sich ändert oder er Kenntnis von einer Änderung der Medikation erlangt. Auf Wunsch des Patienten kann auch die Apotheke bei Abgabe eines Arzneimittels eine erforderliche Aktualisierung vornehmen.

Zur Aktualisierung wird der vorhandene Medikationsplan eines Versicherten in der Regel in das Praxissoftwaresystem eingelesen, dort bearbeitet und anschließend für den Patienten erneut ausgedruckt. Alte Versionen des Medikationsplans sollten vernichtet oder durch Streichung des Barcodes ungültig gemacht werden.

Technische Praxisvoraussetzungen und Vergütungsregelungen
Da die Anlage mit den technischen Spezifikationen noch in Bearbeitung ist und erst zum 31.05.2016 veröffentlicht wird, kann bisher nur sicher festgestellt werden, dass der Arzt für die Erstellung, Datenübernahme und Aktualisierung des Medikationsplanes ein entsprechendes Modul in seinem Praxissoftwaresystem benötigt.

Für die digitale Lesbarkeit des Medikationsplans, wird ein Barcode auf den Plan gedruckt. Dafür ist ein entsprechender Drucker notwendig, der zumeist vorhanden ist. Um den Barcode jedoch wieder einlesen zu können, benötigt die Praxis ebenso einen Barcode-Scanner, der bisher nicht zur üblichen Praxisausstattung zählt und entsprechend Kosten verursacht.

So sollen neben der Beschreibung des technischen Verfahrens bis zum 31.05.2016 auch Regelungen zur Vergütung im EBM getroffen werden, damit der Medikationsplan und der damit verbundene Aufwand entsprechend honoriert werden.


Über die AAC (Arzt-Abrechnungs-Controlling) AG

Die AAC Praxisberatung AG ist eine Unternehmensberatung für niedergelassene Ärzte. Unsere Schwerpunkte sind Analysen und Beratung zur KV-Abrechnung/Quartalsabrechnung sowie zum Verordnungs-Management an. Bei der KV-Abrechnungsberatung werden die einzelnen EBM-Ziffern der Quartalsabrechnung detailliert vs. Fachgruppendurchschnitt geprüft. Potentiale der nicht oder nur unterdurchschnittlich abgerechneter EBM-Leistungen bzw. EBM-Ziffern werden aufgezeigt. Auch strukturelle Defizite der KV-Abrechnung werden überprüft, so dass Wirtschaftlichkeitsprüfungen einzelner EBM-Leistungen vermieden werden können. Einen wichtigen Teil der Analyse der EBM-Ziffern nimmt die Überprüfung der Plausibilität der KV-Abrechnung in der Beratung zu Ihrer Quartalsabrechnung ein. Eine mangelhafte Steuerung besonders zeitintensiver EBM-Ziffern kann eine Plausibilitätsprüfung nach sich ziehen. Bei Zeitüberschreitungen wird zusammen mit dem Arzt überprüft, ob sich die Überschreitung anhand der vorhandenen Dokumentation in der Akte plausibel und nachvollziehbar erklären lässt.

Insgesamt wird die Qualität Ihrer KV-Abrechnung somit gesichert – und Sie sparen viel Zeit.

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