Alle: Neue Abrechnungsregelungen zum Notfall- und Bereitschaftsdienst ab 01. April 2017

Ärzte im Notfall- und Bereitschaftsdienst erhalten dann für besonders schwere und aufwändige Fälle eine höhere Vergütung. Außerdem wird es eine Abklärungspauschale für Patienten geben, die keine dringende Behandlung benötigen. Ein entsprechender Beschluss wurde 07.12.2016 vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefasst.

Schweregradzuschläge für aufwändige Versorgung
Die jetzt getroffene Regelung sieht zwei verschiedene sogenannte Schweregradzuschläge vor. Sie werden als Zuschläge zu den Notfallpauschalen (GOP 01210 und 01212) für Fälle mit erhöhtem Behandlungsaufwand gezahlt.

Der eine Schwergradzuschlag ist an fest definierte schwerwiegende Behandlungsdiagnosen geknüpft:
  • Frakturen im Bereich der Extremitäten proximal des Metacarpus und Metarsus
  • Schädel-Hirn-Trauma mit Bewusstlosigkeit von weniger als 30 Minuten
  • Akute tiefe Beinvenenthrombose
  • Hypertensive Krise
  • Angina Pectoris (ausgenommen I20.9)
  • Pneumonie
  • Akute Divertikulitis

In Ausnahmefällen wird er auch für andere schwere Erkrankungen gezahlt, wenn der erhöhte Behandlungsaufwand begründet wird.

GOP 01223 als Zuschlag zur GOP 01210 = 128 Punkte = 13,48 EUR; einmal im Behandlungsfall
GOP 01224 als Zuschlag zur GOP 01212 = 195 Punkte = 20,53 EUR; einmal im Behandlungsfall

Der zweite Schweregradzuschlag berücksichtigt den erhöhten Aufwand, der aufgrund einer schwierigen Kommunikation infolge bestimmter Grunderkrankungen oder infolge des Alters bei Säuglingen und Kleinkindern besteht. Er berücksichtigt außerdem den erhöhten Behandlungsaufwand bei geriatrischen Patienten mit Frailty-Syndrom. Im Einzelnen ist der Zuschlag bei nachfolgenden Patienten berechnungsfähig:
  • Neugeborene, Säuglinge, Kleinkinder
oder
  • Patienten mit erheblichen krankheitsbedingten kognitiven, emotionalen und verhaltensbezogenen Beeinträchtigungen (Ausnahme Beeinträchtigungen infolge psychotroper Substanzen)
und/oder
  • Patienten ab dem vollendeten 70. Lebensjahr mit geriatrischem Versorgungsbedarf und Frailty-Syndrom
und/oder
  • Patienten mit dementiellen Erkrankungen, einer Alzheimer-Erkrankung, einem primären Parkinson-Syndrom mit mäßiger bis schwerster Beeinträchtigung

Dieser Zuschlag wird nur nachts sowie ganztägig an Wochenenden und Feiertagen gezahlt, da die medizinische Versorgung nicht durch den behandelnden Arzt in der Praxis erfolgen kann.

GOP 01226 als Zuschlag zur GOP 01212 = 90 Punkte = 9,48 EUR; einmal im Behandlungsfall


Neue Abklärungspauschale
Die neue Pauschale können Ärzte für Patienten abrechnen, die keine Notfallbehandlung brauchen und durch einen Vertragsarzt in der normalen Sprechstunde versorgt werden können. Bisher war dafür keine Regelung im EBM vorgesehen.

GOP 01205 Abklärungspauschale am Tag (7-19 Uhr; ohne Wochenende und Feiertage sowie 24./31.12) = 45 Punkte = 4,74 EUR; einmal im Behandlungsfall
GOP 01207 Abklärungspauschale in der Nacht (19-7 Uhr; ganztägig an Wochenenden und Feiertagen sowie 24./31.12.) = 80 Punkte = 8,42 EUR; einmal im Behandlungsfall

Finanzierung der Zuschläge
Die Finanzierung der Zuschläge und der Abklärungspauschale erfolgt mit Geldern, die für die Vergütung ambulanter Notfallleistungen bereitstehen. Vor diesem Hintergrund muss die Notfallpauschale für die Behandlung am Tag leicht abgesenkt werden – von 127 auf 120 Punkte um 70 Cent.
Die Notfallleistungen insgesamt werden weiterhin extrabudgetär als Freie Leistung vergütet, die jedoch ggf. quotiert werden kann


Über die AAC (Arzt-Abrechnungs-Controlling) AG

Die AAC Praxisberatung AG ist eine Unternehmensberatung für niedergelassene Ärzte. Unsere Schwerpunkte sind Analysen und Beratung zur KV-Abrechnung/Quartalsabrechnung sowie zum Verordnungs-Management an. Bei der KV-Abrechnungsberatung werden die einzelnen EBM-Ziffern der Quartalsabrechnung detailliert vs. Fachgruppendurchschnitt geprüft. Potentiale der nicht oder nur unterdurchschnittlich abgerechneter EBM-Leistungen bzw. EBM-Ziffern werden aufgezeigt. Auch strukturelle Defizite der KV-Abrechnung werden überprüft, so dass Wirtschaftlichkeitsprüfungen einzelner EBM-Leistungen vermieden werden können. Einen wichtigen Teil der Analyse der EBM-Ziffern nimmt die Überprüfung der Plausibilität der KV-Abrechnung in der Beratung zu Ihrer Quartalsabrechnung ein. Eine mangelhafte Steuerung besonders zeitintensiver EBM-Ziffern kann eine Plausibilitätsprüfung nach sich ziehen. Bei Zeitüberschreitungen wird zusammen mit dem Arzt überprüft, ob sich die Überschreitung anhand der vorhandenen Dokumentation in der Akte plausibel und nachvollziehbar erklären lässt.

Insgesamt wird die Qualität Ihrer KV-Abrechnung somit gesichert – und Sie sparen viel Zeit.

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