BSG: Alle Vertragsärzte müssen Bereitschaftsdienst leisten

Ein Urteil mit möglicherweise weitreichenden Konsequenzen. Denn die Kassenärztliche Vereinigungen haben jetzt vom höchsten deutschen Sozialgericht eine Rechtsgrundlage bekommen, alle zugelassenen Vertragsärzte zum Bereitschaftsdienst verpflichten (Az.: B 6 KA 41/14 R)

Nun sind aktuell nicht alle niedergelassenen Ärzte ausreichend qualifiziert, um Patienten im allgemeinen Bereitschaftsdienst qualitativ gut zu versorgen. Häufig fehlen in bestimmten Fachgruppen einfach Routine und klinische Erfahrung. So sind z.B. Pathologen, Strahlentherapeuten oder Kinderradiologen Experten in ihrem Fachgebiet, aber es dürfte doch im Bereitschaftsdienst schnell Situationen geben, die die Kolleginnen und Kollegen gehörig ins Schwitzen bringen werden.

Laut BSG kein Problem – dann müssen sich Angehörige dieser Fachgruppen halt soweit weiterbilden, dass sie den Bereitschaftsdienst ohne Probleme ableisten können. Aber schlaflose Nächte muss sich jetzt keiner machen, bereits morgen seinen „Stellungsbefehl“ zum Bereitschaftsdienst zugestellt zu bekommen. Ohne entsprechende Qualifikation darf es keine Zwangsrekrutierungen für den Bereitschaftsdienst geben. Dafür sind die Zeiten des dreißigjährigen Krieges doch etwas zu lange vorbei.

Aber: die Kassenärztlichen Vereinigungen können über Disziplinarmaßnahmen Druck aufbauen, damit sich Ärzte dieser Fachgruppen fortbilden, um am Bereitschaftsdienst teilnehmen zu können. Die „finale Drohkulisse“ ist dabei auch der Entzug der Zulassung.

Fazit: die Spannungen zum Thema Bereitschaftsdienst werden zunehmen. So haben ja schon einzelne Kassenärztliche Vereinigungen zu Zwangsmaßnahmen gegriffen, um den ärztlichen Notdienst sicherzustellen. Jetzt können die KVen die Fortbildungskeule schwingen - der zunehmende Ärztemangel, insbesondere in ländlichen Regionen, lässt dieses Szenario wahrscheinlich Realität werden lassen.