Alle Fachgruppen: Spezifikationen für den Medikationsplan

Die KBV hat nun die Spezifikationen für den Medikationsplan als Anlage 3 zur Vereinbarung über Inhalt, Struktur und Vorgaben zur Erstellung und Aktualisierung eines Medikationsplans veröffentlicht. Diese Anlage 3 enthält insbesondere Vorgaben für die Softwareindustrie und soll als Grundlage für eine einheitliche Implementierung des bundeseinheitlichen Medikationsplans in die Softwaresysteme von Ärzten, Apothekern und Krankenhäusern sowie ggf. weiteren Softwaresystemen dienen.


Voraussetzungen, die das Medikationsplan-Modul im PVS erfüllen muss
Es sind aber auch einige interessante Aspekte für die niedergelassenen Ärzte enthalten. Für die technische Umsetzung muss von den Softwareherstellern ein Modul „Medikationsplan“ in die Programme eingearbeitet werden. In vielen Praxissoftwaresystemen (PVS) ist ein solches Modul bereits enthalten und muss ggf. „nur“ angepasst werden. Folgendes müssen die Module jedoch leisten können:

  • Gewährleistung eines Zugriffs des Medikationsplanmoduls auf die Arzneimitteldatenbank des PVS
  • Speicherung notwendiger Daten für die Erstellung des Medikationsplans im PVS
  • Übernahme von Medikationsplänen aus geeigneten Datenquellen (manuelle Übernahme sowie technische Übernahme der Medikationspläne von der eGK oder aus strukturierten Daten eines elektronischen Arztbriefes).

Für den Arzt muss es möglich sein, den Medikationsplan unabhängig von einer Rezeptverschreibung oder dem Anlegen einer Verordnung aufrufen zu können.


Mögliche Fallkonstellationen in der Praxis
In der Praxis kann der Arzt mit verschiedenen Fallkonstellationen der Erstellung und/oder Aktualisierung des Medikationsplans konfrontiert werden.

Erstellung eines Medikationsplans in der Praxis
Zur Erstellung des Medikationsplans wird dieser vom Arzt über das MP-Modul der Praxissoftware generiert, wobei die Patientendaten (Name und Geburtsdatum) aus dem Praxisverwaltungssystem in den Medikationsplan übernommen werden.
Bei der patientenbezogenen Gestaltung des Medikationsplans kann der Arzt die Arzneimittel in bestimmte Gruppen (z.B. Selbstmedikation, Bedarfsmedikation etc.) einteilen und mit entsprechenden Zwischenüberschriften versehen. Die Anlage solcher Zwischenüberschriften muss durch das MP-Modul unterstützt werden. Vom Arzt definierte Überschriften kann der Arzt als Textbaustein abspeichern.
Der Datensatz des Medikationsplans ist im Modul oder im PVS zusammen mit einem PDF-Dokument

Aktualisierung eines Medikationsplans beim erstellenden Arzt
Zur Aktualisierung wird zunächst die im PVS zuletzt gespeicherte Version aufgerufen. Danach ergeben sich technisch zwei Möglichkeiten:

  1. Der Arzt nimmt eine manuelle Aktualisierung vor, indem er Einträge der zuletzt gespeicherten Version ergänzt, ändert oder löscht.
  2. Der vorgelegte und durch Dritte aktualisierte Medikationsplan wird mit dem MP-Modul über den 2D-Barcode eingelesen. Die neu eingelesenen Daten werden mit den zuletzt gespeicherten verglichen und Unterschiede werden vom System optisch dargestellt. Durch entsprechende Auswahlmöglichkeiten kann der Arzt Einträge übernehmen, annehmen oder abändern.

Nach Speicherung und Druck des neuen Medikationsplans wird der alte vernichtet bzw. wenigstens durch Durchstreichen des Barcodes unkenntlich gemacht.

Aktualisierung eines Medikationsplans durch einen mitbehandelnden Arzt
Hier funktioniert das Verfahren analog dem vorhergehenden durch manuelle Änderungen (falls bei dem Arzt bereits eine alte Version vorliegt) oder durch Einlesen des Planes über den Barcode.

Zusammenführen verschiedener Medikationspläne
Sollte ein Patient mehrere Medikationspläne haben (z.B. von Hausarzt, Facharzt und/oder Krankenhaus), besteht die Möglichkeit die sich daraus ergebende Gesamtmedikation auf einem Plan zusammenzuführen.
Hierzu wird der zuletzt erstellte Plan als erstes über den Barcode in das PVS eingelesen. Anschließend besteht die Option weitere Medikationspläne ebenfalls über den Barcode einzulesen. Dies muss schrittweise getan werden, da immer der zuletzt eingelesene Plan mit dem zuerst eingelesenen abgeglichen und zusammengeführt werden muss. Das MP-Modul erleichtert dem Arzt die Arbeit, indem die wesentlichen Inhalte der Pläne nebeneinandergestellt und doppelte Einträge kenntlich gemacht werden.


Vergütung
Vor diesen Herausforderungen stehen nun die Softwarehersteller der PVS. Inwiefern es sich für den Arzt dann um eine Freischaltung eines bereits im PVS vorhandenen Moduls oder die komplette Installation eines neuen Moduls handelt, wird dabei sicher verschieden sein. Sicher ist aber, dass dem Arzt Kosten dafür entstehen werden. Ebenso wird die Anschaffung einer Möglichkeit zum Einlesen von Barcodes und eventuell neuer Drucker mit Kosten verbunden sein. Inwiefern diesen Kosten eine entsprechende Vergütung gegenübersteht, bleibt abzuwarten, da die Abrechnungsziffern erst zum 30.06.2016 veröffentlicht werden.


Über die AAC (Arzt-Abrechnungs-Controlling) AG

Die AAC Praxisberatung AG ist eine Unternehmensberatung für niedergelassene Ärzte. Unsere Schwerpunkte sind Analysen und Beratung zur KV-Abrechnung/Quartalsabrechnung sowie zum Verordnungs-Management an. Bei der KV-Abrechnungsberatung werden die einzelnen EBM-Ziffern der Quartalsabrechnung detailliert vs. Fachgruppendurchschnitt geprüft. Potentiale der nicht oder nur unterdurchschnittlich abgerechneter EBM-Leistungen bzw. EBM-Ziffern werden aufgezeigt. Auch strukturelle Defizite der KV-Abrechnung werden überprüft, so dass Wirtschaftlichkeitsprüfungen einzelner EBM-Leistungen vermieden werden können. Einen wichtigen Teil der Analyse der EBM-Ziffern nimmt die Überprüfung der Plausibilität der KV-Abrechnung in der Beratung zu Ihrer Quartalsabrechnung ein. Eine mangelhafte Steuerung besonders zeitintensiver EBM-Ziffern kann eine Plausibilitätsprüfung nach sich ziehen. Bei Zeitüberschreitungen wird zusammen mit dem Arzt überprüft, ob sich die Überschreitung anhand der vorhandenen Dokumentation in der Akte plausibel und nachvollziehbar erklären lässt.

Insgesamt wird die Qualität Ihrer KV-Abrechnung somit gesichert – und Sie sparen viel Zeit.

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